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Die alte DDR-Körordnung

Für viele ist die alte DDR-Körung mit dem Wertmessziffern ein Buch mit sieben Siegeln. Aufgrund der Abstammung von Chiara haben wir uns intensiv damit beschäftigt und wir möchten Ihnen nachfolgend einige Erläuterungen liefern.

Ablauf der Körung:

1. Beurteilung des Hundes nach Typ, Leistungsgefüge und Körperbau

2. Überprüfung des Leistungsbildes in Schärfe, Härte und Nervenfestigkeit:

Verlauf der Überprüfung des Leistungsbildes:

Schärfe: der Hund wird vom Scheintäter angereizt, dann flüchtet der Scheintäter, nach ca. 90 m Fluchtweg wird der Hund hinterhergehetzt, der HF (Hundeführer) bleibt stehen. Für die Art des Zufassens des Hundes am eingeholten Scheintäter erfolgt die Einstufen nach Härtetabelle.

Härte: Flucht des Scheintäters, nach ebenfalls ca. 90 m Fluchtweg wird der Hund losgelassen. Auf ein Zeichen des Körmeisters macht der Scheintäter plötzlich kehrt und greift den Hund an. Der Scheintäter soll versuchen den Hund mit einem Stockschlag zu treffen ehe er zufassen kann. Für die Art des Stirnangriffes erfolgt die Einstufung nach Härtetabelle.

Dauer der Ankörung:

Die durch die Körung ausgesprochene Zuchtverwendbarkeit erlischt nach 2 Jahren, vom Tage der Ankörung gerechnet, wenn nicht durch die Körkommission eine andere Zeit festgesetzt wird. Wenn ein mind. 5 Jahre altes Tier zum 3. Male der Körkommission vorgestellt wird, ist die Ankörung bis zum Ende der Zuchtdauer vorzunehmen. Bei besonders hervorragenden Hunden kann die Ankörung bereits beim 2.Mal bis zum Ende der Zuchtdauer erfolgen.

Beispiel für eine WMZ (Wertmeßziffer). Bewertet wurden:

Typ/Format, Leistungsgefüge (Konstitution), Körperbau, Wesen, Schärfe und Härte

 

Typ:

0 typlos

1 gehaltlos

2 unausgeglichen

3 hochgestellt

4 ansprechend

5 mittelkräftig

6 kraftvoll

7 tiefgestellt

8 schwer

9 grob

Leistungsgefüge:

0 schwach, kraftlos, empfindlich

1 überzüchtet, überbaut, Mangel an Geschlechtsausdrück

2 anfällig durch Gebäude-, Haar- oder Gebissfehler

3 schwaches Fundament, wenig Rumpf, gesticheltes mittelhartes Haar ohne Unterwolle

4 zeitliche Entwicklungsmängel

5 Adel, Kraft

6 robust, derb

7 nicht geschlossen genug, fassbeinig, kuhhessig

8 schwammig, plump

9 überbildet, rachitisch

Körperbau:

0 ungenügend grobes Gebiss, Haar-, Hodenfehler, Schlappohr

1 mangelhaft klein, leicht, bartlos, Feinzeller

2 mangelhaft, ohne Rumpf oder Brust, schwache Gelenke, helles Auge, weiße Abzeichen

3 ohne besondere Vorzüge

4 nicht vollendet im Rücken, Knochen und Gelenken

5 vorzüglich, formvollendet harmonisch

6 sehr gut, wenig Adel

7 zu kurze Läufe, etwas lang, zu große Brusttiefe

8 in den Gelenken und Pfoten nachgebend

9 groß, plump, weich in den Bändern, weich im Haar, zu kleines Auge

Wesen

0 nervös, ängstlich, sehr scheu

1 schreckhaft, mutlus, geräuschempfindlich

2 unsicher im Verhalten, sichtbare Angstmomente, kann Schärfe besitzen und leicht reizbar sein

3 Menschen gegenüber zurückhaltend misstrauisch oder aggressiv

4 aggressiv, sehr viel Schärfe mit betonter Härte, bösartig

5 ausgeglichen, gutartig, sehr hart gegen Einwirkungen

6 ausgeglichen, gutartig, hart gegen Einwirkungen

7 ausgeglichen, gutartig, gegen Einwirkungen empfindsam

8 ausgeglichen, gutartig, gleichgültig, wenig Schärfe

9 keine Schärfe, wenig Reaktion niedergedrückt, weich

Schärfe:

1 keine Schärfe: Der Hund verfolgt den SCheintäter ganz oder über eine gewisse Distanz, er beisst nicht oder beisst schwach an und verlässt sofort den Scheintäter

2 wenig Schärfe: Der Hund verfolgt den Scheintäter besst aber nur schwach an

3 ausreichend Schärfe: Der Hund passt sich vor dem Anbiss dem Tempo des Scheintäters an und beisst gut an

4 gute Schärfe: Der Hund verfolgt den Scheintäter mit unverminderter Geschwindigkeit und unterbindet die Flucht mit sehr guten Oberarmanbiss

5 sehr gute Schärfe: Der Hund verfolgt den Scheintäter mit unverminderter Geschwindigkeit und unterbindet die Flucht mit vollem, hohen Anbiss

Härte:

1 Keine Härte, Der Hund ergreift beim Gegenangriff die Flucht und läuft zum HF

2 Wenig Härte, Der Hund bedrängt den Scheintäter, bleibt ausser Stockhiebweite und lässt sich vertreiben, ohne den Scheintäter zu verlassen

3 Ausreichende Härte, Der Hund bedrängt beim Gegenangriff den Scheintäter in Stockhiebweite, lässt sich aber nicht vertreiben und kommt beim Nachlassen des Gegenangriffes zum Beissen, der Biss gut und fest sein

4 Gute Härte, Der Hund lässt sich durch den Gegenangriff nicht beiendrucken, bremst sein Angriffstempo in Stockhiebweite nur leicht ab. Er arbeitet sich schnell und energisch durch die Schläge und beisst sehr fest an

5 Sehr gute Härte, Die Härteziffer 5 wird nur vergeben, wenn der Hund mit unverminderter Geschwindigkeit und grosser Wucht durch den Schlag bricht und keine Anzeichen von Schwächen erkennen lässt, sowie hart und dauerhaft zubeisst.

 

“Vorzüglich” – “Sehr gut” – oder was?

Dem Zuchtrichter sind ganz eindeutige Vorgaben gegeben, nach denen ein Hund zu bewerten ist:

“Vorzüglich”, V darf nur einem Hund zuerkannt werden, der dem Idealstand der Rasse sehr nahe kommt, in ausgezeichneter Verfassung vorgeführt wird, ein harmonisches, ausgeglichenes Wesen ausstrahlt, der “Klasse” und eine hervorragende Kondition hat. Die Überlegenheit seiner Qualitäten gegenüber Mitkonkurrenten wird seine kleine Unvollkommenheit vergessen machen; jedoch muss er die charakteristischen Eigenschaften seiner Rasse besitzen.

“Sehr gut”, Sg wird einem Hund zuerkannt, der die typischen Merkmale seiner Rasse besitzt, von ausgeglichenen Proportionen und in guter Verfassung ist. Man wird ihm einige verzeiliche Fehler nachsehen, jedoch keine morphologischen. Dieses Prädikat kann nur einem Klassehund verliehen werden.

“Gut”, G diese Bewertung ist dem Hund zuzuteilen, welcher die Hauptmerkmale seiner Rasse besitzt, aber Fehler aufweist, unter der Bedingung, dass diese nicht verborgen werden.

“Genügend”, Ggd diese Bewertung ist dem Hund zu vergeben, der seinem Rassetyp genügend entspricht, ohne besondere Eigenschaften ist oder dessen körperliche Verfassung zu wünschen übrig lässt.

“Disqualifiziert”, Disq erhält ein Hund, der nicht dem durch den Standard vorgeschriebenen Typ entspricht, ein eindeutig nicht standardgemäßes Verhalten zeigt, mit einem Hodenfehler behaftet ist, einen erheblichen Zahnfehler oder eine Kieferanomalie aufweist, einen Farb- und/oder Haarfehler hat oder eindeutig Zeichen von Albinismus erkennen lässt. Dieser Formwert ist ferner dem Hund zuzuerkennen, der einem einzelnen Rassemerkmal so wenig entspricht, dass die Gesundheit des Hundes beeinträchtigt ist. Mit diesem Formwert muss auch der Hund bewertet werden, der nach dem für ihn geltenden Standard einen schweren bzw. disqualifizierenden Fehler hat.

“Ohne Bewertung”, o.B. darf nur ein Hund aus dem Ring entlassen werden, dessen Gangwerk, Gebäude, Biss, Haarkleid, Hoden, Rute usw. nicht durch den Richter kontrolliert werden können oder wenn sich am vorgeführten Hund Spuren von Eingriffen feststellen lassen, die eine Täuschung wahrscheinlich machen. Das Gleiche gilt, wenn der Zuchtrichter feststellt, dass ein operativer Eingriff vorgenommen wurde ( z.B.: Lid-, Ohr-, Rutenkorrektur ), der über die ursprüngliche Beschaffenheit hinwegtäuscht. Der Grund für die Beurteilung “ohne Bewertung” ist im Richterbericht anzugeben.

In der Jüngstenklasse vv, vsp, wv, können die Bewertungen “vielversprechend”, “versprechend”, “wenig versprechend” vergeben werden.

Hans-Karl Schneider
Richterobmann